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Unternehmensbefragung zum BGM

 

Gesundheitsmanagement als Teil der Unternehmensstrategie
-eine Unternehmensbefragung-
Betriebliches Gesundheitsmanagement – ein Managementsystem, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als Bestandteil der strategischen Unternehmensführung erhöht es die Gesundheit, Motivation und Performance des einzelnen Mitarbeiters. Dadurch steigert sich der gesamte Unternehmenserfolg. Im Verhältnis zu den Kapitalkosten sind die Personalkosten in der Regel drei- bis siebenmal höher, was bedeutet, dass die Mitarbeiter die Unternehmensperformance dominieren. Aus diesem Grund ist es unbedingt notwendig das Humankapital zu erhalten oder zu steigern – und zwar sowohl durch Personalentwicklung, als auch Gesundheitsförderung. In Anbetracht der zunehmenden Stressoren durch steigende Dynamik und Komplexität (Dynamixität) sowie durch den demographischen Wandel sind Firmen stärker gefordert, einen Beitrag zur Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter zu leisten, um damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder sich vielmehr einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen.
In einer Unternehmensbefragung bei 80 Firmen wollte RYTMUS consulting herausfinden, ob sich diese, in der Literatur beschriebene, Bewusstheit über das Humankapital und dessen Spar- und Steigerungspotenzial in der Führung und Kultur der Unternehmen widerspiegelt. Die Mehrzahl der befragten Betriebe beschäftigt zwischen 30 und 1500 Mitarbeiter. In der Studie wurde folgenden Fragen nachgegangen:

 

  • Werden den Mitarbeitern gesundheitsfördernde Maßnahmen angeboten, wenn ja, welche?
  • Handelt es sich um Einzelmaßnahmen oder ist betriebliches Gesundheitsmanagement in die Unternehmensführung implementiert?
  • Erfolgt nach der Maßnahmendurchführung eine Evaluation, wenn ja, wie?
  • Wie wird die Arbeitumgebung und –zeit gestaltet?
  • Wer führt die Maßnahmen durch?
  • Wie hoch stufen die befragten Personen den Nutzen der Maßnahmen ein und welche Vorteile sehen sie in der Gesundheitsförderung?

 

Um eine große Bandbreite unterschiedlicher Unternehmen zu erhalten, wurde die Stichprobe in drei Sparten aufgeteilt: Call Center (n=30), Unternehmen unterschiedlicher Branchen (n=25)
Pflegeeinrichtungen (n=25)

Hoher Anteil von Einzelmaßnahmen
71% der befragten Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern gesundheitsfördernde Maßnahmen an, wobei das betriebliche Gesundheitsmanagement in keinem Unter-nehmen Bestandteil der strategischen Unternehmensführung war. Die durchgeführten Maßnahmen waren nicht in die Unternehmensziele und das Controllingsystem eingebunden. Das hatte zur Folge, dass die Einzelmaßnahmen nicht den möglichen Nutzen aufzeigten, ebenso fand eine systematische Implementierung und Beibehaltung der Gesundheitsförderung nicht statt. Erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement setzt jedoch voraus, dass Gesundheit zur Führungssache erklärt wird und an der Einstellung, dem Verhalten sowie den Verhältnissen ansetzt. Andernfalls verursachen einzelne Seminar- und Trainingsveranstaltungen nur Kosten und erzielen keinen positiven ROI.
29% der Befragten gaben an, auf Seminare oder Maßnahmen mit gesundheitsfördernden Inhalten gänzlich zu verzichten. Dieser Sachverhalt wurde von den Interviewpersonen an Hand folgender Gründe erklärt:
Knappe zeitliche und finanzielle RessourcenDas Unternehmen hat im Moment andere Probleme, als die Gesundheit der MitarbeiterDie Mitarbeiter sollen sich eigenverantwortlich um ihre Gesundheit kümmern, das Unternehmen kann nicht alles für seine Beschäftigten machen
Die detailliertere Betrachtung ergab hinsichtlich der befragten Unternehmenssparten deutliche Unterschiede. Gerade Call Center, deren Agents neusten Studien zufolge häufig mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, bieten nur zu 57% gesundheitsfördernde Maßnahmen an. Pflegeeinrichtungen hingegen, die selbst eine hohe Krankheits- und Fluktuationsrate zu verzeichnen haben, führen zu 74% entsprechende Seminare durch. In den anderen Branchen lag der Anteil an gesundheitsfördernden Maßnahmen sogar bei 84%. Grundsätzlich bestand Offenheit gegenüber weiteren Anregungen zur Gesundheitsförderung der Mitarbeiter.

Welche Maßnahmen werden wie intensiv angeboten?
Eine weitere Frage behandelte das konkrete Maßnahmenangebot in den Unternehmen. Die Rückenschulung nahm mit 42% den höchsten Rang ein. Das entspricht dem Fakt, dass die höchsten Krankheitskosten für die Behandlung von Muskel- und Skeletterkrankungen entstehen. Deutlich geringer liegt die Durchführung von Gesundheitsworkshops für Mitarbeiter (7%) und von Führungskräftetrainings „gesunde Führung“ (4%). Diese Verteilung bestätigt, dass in den befragten Unternehmen einerseits die Geschäftsleitung und das Management zu wenig in die betriebliche Gesundheitsförderung eingebunden sind und andererseits die Mitarbeiter durch das geringe Angebot von Workshops oder Gesundheitszirkeln ihr Wissen und ihre Bedürfnisse zu wenig einbringen können. Bei den Call Centern fiel auf, dass nur 7% der Call Center Betreiber präventive Maßnahmen durch Stimmtraining für das primäre Verkaufsinstrument – „die Stimme“ – ihrer Call Center Agents anboten.
Die Maßnahmen werden nur von 32% der Unternehmen kontinuierlich angeboten. 23% führen sie nur einmal und 17% zwei bis sechsmal im Jahr durch. 24% der befragten Personen gaben an, die Maßnahmen nur bei Bedarf zu handeln, wobei die Bedarfsermittlung nicht systematisiert war. Die betriebliche Gesundheitsförderung erfolgte zu 44% durch externe Trainer und Berater. Bei weiteren 30% wurden interne und externe Fachleute eingebunden.

Divergenz von Motivation und Umsetzung
Die Motivation der Unternehmen, betriebliche Gesundheitsförderung anzubieten wurde wie folgt benannt:52% strategische Überlegungen21% Mitarbeiterbefragung14% Kollegen 6% aus eigenem Antrieb 2% schlechtes Gewissen 2% Anregung durch Betriebskrankenkassen 7% keine AngabenWiederum zeigt sich in dieser Gewichtung, dass die Schere von Motivation und Umsetzung auseinander geht. Denn wäre Gesundheitsmanagement wirklich Bestandteil der Unternehmensstrategie so wäre Bedarfsermittlung, Maßnahmenplanung und Controlling des Gesundheitsmanagement mit den Unternehmenszielen verknüpft.

Erfolgsmessung
Weiterhin lässt sich die mangelnde Einbindung der betrieblichen Gesundheitsförderung in die Unternehmensstrategie auch an dem Evaluationsvorgehen der Unternehmen erkennen. So gaben zwar 51% der befragten Personen an, die gesundheitsfördernden Maßnahmen zu evaluieren, doch die Messung weist deutliche Defizite auf: 77% der Unternehmen überprüfen den Nutzen der Maßnahmen an Hand unregelmäßiger Mitarbeitergespräche. Weitere 14% führen den Erfolg der Gesundheitsförderung alleinig auf einen sinkenden Krankenstand zurück. In Betriebsratsitzungen werden die Maßnahmen bei 3% der Unternehmen besprochen und weitere 3% bildeten einen AK Gesundheit, in dem der Nutzen der Seminare erörtert wird. Jedoch hat keines der Unternehmen vor Beginn der Gesundheitsförderung eine Zielsetzung konkretisiert und der Erfolg der Maßnahmen wurde nicht, wie ansonsten üblich, an Hand eines implementierten Controllings- und Kennzahlensystem gemessen.
Obwohl die Evaluation noch stark verbesserungswürdig ist, stuften die Befragten den Nutzen des Gesundheitsmanagements auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) im Durchschnitt bei 7,35 ein.

Nutzenbeschreibung in Soft Facts
Die befragten Unternehmen sahen den Nutzen des Gesundheitsmanagement überwiegend in der Verbesserung der weichen Faktoren, wie z.B. der Steigerung der Mitarbeiter-Zufriedenheit oder der Motivation. Ökonomische Größen wie Einsparung krankheitsbedingter Personalkosten wurden weniger genannt. Auch fehlte das Bewusstsein, dass der Produktionsfaktor „Mensch“ im heutigen Wettbewerb ein zentraler Erfolgsfaktor ist.

Fazit
Fasst man die gewonnenen Ergebnisse zusammen, so lässt sich feststellen, dass ein Großteil der Unternehmen den Nutzen sowie die Vorteile des betrieblichen Gesundheitsmanagements in erster Linie in der Bindung und Förderung der Mitarbeiter sieht. Alle Unternehmen könnten die Effizienz und Effektivität der Maßnahmen steigern, wenn diese systematisch eingebunden würden. Dazu ist es erforderlich den Zusammenhang zwischen Steigerung des Humankapitals und des wirtschaftlichen Unternehmenserfolgs herzustellen und die Handlungen daran auszurichten. Dass Gesundheitsmanagement als implementierte Unternehmensstrategie mit der Performanceverbesserung auch wirtschaftlichen Erfolg bringen kann, möchte RYTMUS consulting mit der nächsten Studie beweisen. Gemeinsam mit interessierten Unternehmen soll ein kennzahlen-gestütztes Gesundheitsmanagement-System in den Firmen eingeführt und sowohl der Return on Investment, als auch der Value on Investment ermittelt werden. Ziel ist es aufzuzeigen, dass Gesundheitsmanagement nicht nur – wie weitläufig die Meinung – Kosten verursacht, sondern vielmehr einspart und den Unternehmenswert steigert. Unternehmen, die an diesem Verbundprojekt teilnehmen möchten können sich noch melden.